Planer und Planierer

Am ersten Tag schuf Gott Himmel und Erde. Eine Leistung, die Maßstäbe in Sachen Produktivität und Effizienz gesetzt hat - und das, obwohl Gott die Welt formte, ohne zuvor ein Gutachten einzuholen.

Oder sollte man besser sagen: WEIL er kein Gutachten einholte? Denn die Tatsache, dass es seinerzeit noch keine Planungsbüros gab, erlaubte dem HERRN, die Schöpfung unbürokratisch und mit einer gewissen kreativen Spontanität vorzunehmen. Nur auf diese Weise, nämlich völlig ohne Planung, konnten solch kuriose und bizarre Gebilde wie die Externsteine, der Kahle Berg in Bielefeld oder die Gütersloher Stadthalle entstehen.

Heutzutage geht man nicht mehr so planlos an Bauvorhaben heran, sondern lässt erst einmal ein Gutachten erstellen - in Gütersloh gerne auch zwei oder drei (Dutzend, nicht Stück). Solche Gutachten sind für Kommunalpolitiker unverzichtbar, weil diese die Verantwortung für ihre Entscheidungen auf die Verfasser der Gutachten schieben können. Wer das Gegenteil behauptet, möge ein Stadtratsmitglied von 1971 präsentieren, das zu seiner Entscheidung steht, das Stahl´sche Haus (an der Stelle der heutigen Stadtbibliothek) abreißen zu lassen, ohne den Satz "Es gab ein Verkehrsgutachten, das den Abbruch empfahl" auszusprechen.

Die Planungsbüros nehmen etwaige Vorwürfe gelassen entgegen, sie sind ohnehin noch mit dem Geldzählen beschäftigt. Wobei hier klargestellt sei: Die wenigsten Gutachten sind überteuert. Schließlich steckt eine Menge Arbeit darin, das, was jedem Sechsjährigen bei einem Stadtrundgang auffällt ("Papa, die Betonkübel sind aber häßlich!"), wissenschaftlich zu formulieren ("Empfohlen wird eine Reduzierung der Stadtmöblierung").

So wie im neuen "Masterplan zur Innenstadt-Entwicklung". Darin ist aufgelistet, welche Fehler all die Gutachten hatten, an deren Vorschläge wir uns die letzten Jahrzehnte beim Verschandeln unsere City gehalten haben, die planmäßig planiert wurde. Vielleicht wird Gütersloh durch den Masterplan tatsächlich schöner - wenn nicht, wird uns das nächste Gutachten schon aufklären, woran´s gelegen hat.

Leseproben aus "Ausgerechnet Gütersloh!"

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