Danke, Dalke!

Ostdeutschland im Sommer 2002: Die Semperoper als Hallenbad, die Dresdener Innenstadt als Wildwasserbahn, der Zwinger als barocker Bootsanleger - so hatten sich die Bewohner der neuen Länder ein Leben im "Überfluss" sicher nicht vorgestellt. Gütersloh ist von solchen Flutkatastrophen bisher verschont geblieben, und deshalb wollen wir uns in einem Offenen Brief bei der "Elbe Güterslohs" bedanken:

"Liebe Dalke, Du hast es in den letzten Tagen dem entlassenen Thomas Middelhoff gleich getan und bist im Bett geblieben. Dabei hättest Du allen Grund, böse auf uns zu sein. Viele Jahre zwängten wir Natur-Machos Deine reizvollen Rundungen in ein stählernes Korsett. Was war bloß in uns gefahren - genauso gut hätten wir einen Betonmantel um den alten Kirchplatz gießen können. Die Beschilderung "Dalkeweg" las sich da lange wie eine Aufforderung an Dich zu verschwinden, als ob wir die "Dalke weg" haben wollten.

Und wie oft nutzten wir Deinen guten Namen für unsere niederen Ziele aus: Bei jedem Stadt-Land-Fluss-Spiel außerhalb der Stadtgrenze brachtest Du uns garantiert zehn Punkte - wenn auch oft erst nach misstrauischem Blick in den Atlas, weil Ignoranten immer wieder an Deiner Existenz zweifeln. So ist das eben: Wer wie die Elbe Krawall macht, steht am nächsten Tag in der Zeitung und ist bekannt. Du hingegen bliebst stets ruhig - bis auf ganz wenige Tage, an denen auch Du, verständlicherweise, den Kanal voll hattest.

Selbst die Heimatdichter haben Dich vernachlässigt. Es ist aber auch schwierig, Reime auf Dich zu finden - nicht in jede Ode an Gütersloh lassen sich sinnvoll "Franz-Josef Balke" oder die "Arena Auf Schalke" einbauen. Dennoch: Dafür, dass unser Rathaus nicht wie die Lange Anna vor Helgoland aus dem Wasser ragt und das Flutlicht des Heidewald-Stadions seinem Namen keine Ehre macht, sagen wir Dir heute aus vollem Herzen: Danke, Dalke!"

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