Spiel mir das Lidl vom Tod

In Gütersloh haben gleich vier Supermärkte von heimischen Betreibern in den letzten Wochen für immer dicht gemacht. Gegen all die (oder besser: Aldi-) Discount-Ketten hatten die angestammten Lebensmittel-Geschäfte keine Überlebenschance - sie beugten sich dem unerbittlichen Laden-Schluss-Gesetz.

Das Ende dieser Einkaufsstätten trennt ganze Stadtviertel von der Lebensmittel-Nahversorgung. Die Menschen dort sind nun auf die Solidarität ihrer Mitbürger angewiesen: Erste Care-Pakete sollen bereits in der Determeyer-Siedlung angekommen sein. Nur im Norden von Gütersloh bleibt die Küche kalt: Jahrelang hat man dort inbrünstig und erfolgreich den Flugzeug-Verkehr bekämpft - und sich damit die Möglichkeit genommen, von "Rosinenbombern" beliefert zu werden.

Während also einige Gütersloher ohne Lebensmittel-Markt in der Nähe auskommen müssen, zieht sich andernorts das Einkaufs-Netz immer enger. An der Carl-Bertelsmann-Straße zum Beispiel gibt es so viele Supermärkte, dass man eine eigene Fahrspur für Einkaufswagen bräuchte: Minipreis, Lidl, Schenke, Edeka, Penny und Aldi säumen dort den Weg, und wäre der Teich der Bertelsmann-Stiftung nur groß genug, würden selbst dort noch Butterfahrten angeboten. Brauchen wir denn wirklich so viele Supermärkte in unmittelbarer Nachbarschaft? Na klar, denn so kann man prestigeträchtig bei Schenke parken, um dann gegenüber beim Lidl einzukaufen!

Doch das alles tröstet nicht über das Sterben der heimischen Lebensmittel-Geschäfte, das auch in sprachlicher Hinsicht einen großen Verlust für die Stadt bedeutet. Denn Penny-, Elli- und Aldi-Märkte gibt es überall. Thiesbrummel, Meiertoberens und Müterthies hingegen sind/waren Namen, wie sie ostwestfälischer nicht sein könnten. Hier hat der echte Gütersloher seinen Pumpernickel immer gern gekauft. Es sei denn, der Lidl hatte welchen im Angebot...

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