Schnittmuster am Ortseingang

Endlich hat Gütersloh ein Parkleitsystem. 128 Wegweiser zeigen dem Besucher, wo er sein Auto abstellen kann. Nun war Parken in der City auch ohne Hinweisschilder kein Problem - der Ring der Parkplätze und -häuser umspannt die Innenstadt wie anderenorts eine Stadtmauer.

Damit die Zahl der Parkplatzsucher einmal die der freien Stellflächen übertrifft, müssten schon zeitgleich Schinkenmarkt, Türmchenblasen und die Meisterschaftsfeier des FC Gütersloh an einem verkaufsoffenen SSV-Sonntag stattfinden - eine reichlich unrealistische Konstellation, schaut man sich das derzeitige Gekicke des FCG an.

Besonders fragwürdig bleiben die an den Einfallstraßen postierten Hinweistafeln, die auf einen der forderen Plätze im Wettbewerb um die wirrsten Grafiken der Welt hoffen können. Eigentlich will der ortsfremde Autofahrer ja nur einen Parkplatz finden - wozu sollte er sich da im Vorbeifahren den Grundriss Güterslohs einprägen wollen? Welchen Erkenntnisgewinn soll er daraus ziehen, dass die seit jeher preußenfreundliche Stadt nun nach Berliner Vorbild in Ost und West geteilt ist? Die Verkehrsströme flössen wohl auch nicht anders, ersetzte man die Schilder durch ein burda-Schnittmuster, eine U-Boot-Blaupause oder das Londoner S-Bahn-Netz.

Dafür hat das Parkleitsystem etwas ungemein Großstädtisches und steht damit in der Tradition der Gebäude wie City-Hochhaus, Funkturm oder Cinestar, die nur gebaut wurden, um ein Stück Metropole an die Dalke zu holen. Und nicht zu vergessen: Dank der Wegweiser findet man jetzt trotz der eigenwilligen Verkehrsführung endlich wieder raus aus der City: Einfach der entgegengesetzten Richtung folgen! Praktisch, so ein Parkleitsystem...

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