Mord im Mühlenstroth-Express

Es gibt Eisenbahn-Strecken, deren bloße Erwähnung ein sehnsuchtsvolles Fernweh auslöst. Zum Beispiel der legendäre Orient-Express, jener prachtvolle Zug, der ab 1883 Paris mit Konstantinopel verband. Oder die Transsibirische Eisenbahn, die schon im Zarenreich die unendlichen Weiten der Taiga von Moskau nach Wladiwostok durchquerte. Oder die Dampfkleinbahn Mühlenstroth, die jeden Sonntag durch die Nordhorner Senne tuckert.

Seit dem 1. Mai fahren bei Mühlenstroth, dem "Westfälischen Kleinbahn- und Dampflokmuseum" zwischen Isselhorst und Gütersloh, wieder die historischen Lokomotiven. Bei schönem Wetter suchen dort hunderte Ausflügler den Nervenkitzel einer rasanten Zugfahrt auf dem spektakulären, knapp anderthalb Kilometer langen Schienenkurs.

Das Erfolgsrezept von Mühlenstroth liegt in der kreisförmigen Anordnung der Gleise: Eltern können Ihre Kinder in einen der Eisenbahnwaggons, sich selbst in den Biergarten setzen und die Kleinen dann nach einer viertelstündigen Rundfahrt wieder abholen. Das wäre in dieser Form bei der Transsibirischen Eisenbahn nicht denkbar, weshalb das russische Unternehmen trotz erheblich höherem Fahrgastaufkommens kaum eine Konkurrenz für die Gütersloher Eisenbahner darstellt.

Auch die Deutsche Bahn ist für Mühlenstroth kein ernst zu nehmender Wettbewerber, verliert sie doch einen kritischen Preis-Leistungs-Vergleich um Längen. So bietet die Bahn derzeit ein angebliches "ICE-Sparticket" für 299 Mark an. In Worten: zweihundertneunundneunzig! Für 299 Mark können Sie bei Mühlenstroth vier Sonntage lang unentwegt Eisenbahn fahren. Und das Beste daran kommt noch: Während Sie sich nämlich beim Bahn-Angebot am Ende Ihrer Reise in Cottbus, Garmisch oder Pirmasens wiederfinden, steigen Sie bei Mühlenstroth da aus, wo Sie eingestiegen sind. In Cottbus angekommen hätten Sie eine wiederum lange und beschwerliche Rückreise vor sich - von der Haltestelle "Mühlenstroth-Postdamm" hingegen können Sie gemütlich mit dem Fahrrad nach Hause radeln. Wo es ja ohnehin am Schönsten ist.

Und wer weiss, was für einen Roman Agatha Christie geschrieben hätte, wenn sie statt im Orient-Express eine Runde mit der Gütersloher Dampflok "Francesca" gefahren wäre. Privatdedektiv Hercule Poirot allerdings hätte dann nur 15 Minuten Zeit gehabt, den "Mord im Mühlenstroth-Express" aufzuklären...

Leseproben aus "Ausgerechnet Gütersloh!"

Außerdem erhältlich

Alle Infos zum Buch "Pölter, Plörre und Pinöckel"

 
AGB | Impressum | Digitalkombinat.net